Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland an diesem Tag wurden Frauenrechte ins Grundgesetz aufgenommen (Art. 3, Abs. 2).
Dr. Elisabeth Selber, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel (ich nenne ihre Namen einzeln, weil diese bei Frauen oft genug unterschlagen wurden), vier sehr kluge, unerschrockene und allen Anfeindungen gegenüber standhafte Persönlichkeiten, haben damit den größten frauenpolitischen Erfolg in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit errungen.
Und doch durfte mein Großvater ganz selbstverständlich noch Anfang der 1970iger Jahre meine Großmutter direkt von ihrem Arbeitsplatz wieder zurück an den heimischen Herd eskortieren, damit sie ihre „hausfraulichen Pflichten“ wieder zu seiner Zufriedenheit erfüllen möge …
Diese Episode war der Auftakt zu einer langen Reihe von Erfahrungen und Ereignissen in meinem eigenen Leben, die so gar nicht zu meinem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden passen wollten!
Die Historie der Frauen in meiner Familie ist sowohl eine Geschichte von Talenten, die sich nicht entfalten durften als auch von Träumen, die sich nicht erfüllt haben. Und durch die Heldengeschichten in den Büchern meiner Kindheit ritten und kämpften ausschließlich Männer. Alles zutiefst ungerecht, wie ich schon damals fand.
Tempi passati? Zum Glück!
Was keineswegs bedeutet, dass eine Frauen-Karriere heute ein Selbstläufer ist.
Ich war die erste Frau in meiner Familie, die studiert hat. Und ich weiß, wieviel Kraft und Mut es mitunter braucht, den eigenen Weg zu gehen. Insbesondere den Weg in Führungspositionen - denn nur wer führt, kann auch gestalten! Nach „oben“ zu kommen ist das Eine - dort zu bleiben ist eine weitere Herausforderung.
Ich denke, dass es auch heute für Frauen, die etwas erreichen wollen, ziemlich hilfreich ist, klug, unerschrocken und standhaft zu sein - und damals wie heute reicht das alleine nicht aus, um komplexen Anforderungen und strukturellen Herausforderungen gerecht zu werden. Es braucht Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eine Prise Chuzpe ab und an. Einen Partner, der aus Überzeugung unterstützt, anstatt mehr oder weniger subtil zu sabotieren. Und in Sachen „Vereinbarkeit“ ist weiterhin sehr viel Luft nach oben.
Wir haben coole Tools, bewährte Strategien und einen schier unerschöpflichen Fundus an Ratgebern jedweder Art - alles wichtig, zweifellos.
Die Quintessenz, das, worauf es entscheidend ankommt, findet sich allerdings in keinem noch so gut bestückten „Werkzeugkasten“ und auch nicht im Grundgesetz:
Es ist unsere innere Haltung. Es geht darum, für uns selbst Verantwortung zu übernehmen um selber jeden Tag ein bisschen besser zu sein als gestern. Und so die eigene unverkennbare Handschrift zu entwickeln, die ureigene unverwechselbare Signatur.
Role-Models hierfür gibt es mehr als wir vielleicht denken - die ersten vier wurden heute an dieser Stelle schon gewürdigt.
Fortsetzung folgt …
